Die Zülow-Räume am Sternberg

Ein künstlerisches Erbe, das weiterwächst

Zwischen 1942 und 1945 bewohnte Franz Zülow zwei Zimmer am Sternberg und verwandelte sie in raumfüllende Kunstwerke. Trotz Berufsverbots arbeitete er weiter – am Sternberg fand er einen Auftraggeber und einen Rückzugsort. Türen, Wände, Fensterläden und Decken wurden zum Bildträger; die Zimmer sind bis heute eine in sich geschlossene Bilderzählung.

Die Kunstgeschichte hat diese Jahre lange ausgespart. Im Kulturverein Sternberg stellen wir Fragen, die man den Wänden ansehen kann: Wer ermöglichte Zülow Arbeit? Wie sahen die kleinen Aufträge aus, die ihn „über Wasser“ hielten? Welche Spuren haben sie in der Region hinterlassen? Die Zülow-Räume sind damit nicht nur ein Kunstdenkmal, sondern auch ein Ort für Fragen nach Verantwortung, Auftraggeberschaft und Geschichte.

Seit 2015 stehen die Räume unter Denkmalschutz und wurden als öffentlicher Raum zugänglich gemacht. Menschen aus dem Almtal und weit darüber hinaus kommen seither zum Sternberg, um die Malereien zu sehen – und bringen ihre eigenen Erinnerungen, Familiengeschichten und Perspektiven mit.

Historischer Kontext: Kunst im Schatten der Zeitgeschichte

Der Sternberg wurde in den Jahren 1938–1940 an das SA-Mitglied Josef Weber verkauft, der sich mit einem „Herrenzimmer“ ein Denkmal setzen wollte und dafür Franz Zülow engagierte. Kunst entsteht hier nicht losgelöst, sondern ist eingebettet in die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der 1940er Jahre.

In Führungen sprechen wir über diese Verflechtungen: über Arbeitsverbote, über die Lebensrealität von Künstler:innen im Nationalsozialismus, über Fluchtbewegungen damals und heute. Wenn wir davon erzählen, dass Zülow Wien aufgrund von Hunger und Perspektivlosigkeit zeitweise verlassen musste, berührt das aktuelle Fragen von Migration und Sicherheit.

Erlebnis: Schauen, erzählen, zusammendenken

Eine Führung durch die Zülow-Räume ist kein klassischer Museumsrundgang, sondern ein gemeinsamer Gesprächsraum. Wir schauen genau hin, erzählen Hintergründe, greifen Fragen auf und lassen Platz für eigene Assoziationen.

Menschen, die den Maler oder den ehemaligen Besitzer noch erlebt haben, haben über die Jahre Erinnerungen beigetragen. Diese Stimmen fließen in unsere Vermittlung ein und ergänzen die bekannten biografischen Daten um gelebte Geschichte.